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Direct Trade Kaffee: Eine bessere Alternative zu Fair Trade?

Sara Nuru hält Kaffeebohnen auf Plantage in Äthiopien

Bis der Kaffee in deiner Tasse landet, durchläuft er oft viele Stationen. Direct Trade Kaffee steht für einen anderen Ansatz: transparente und faire Handelsbeziehungen.

Direct Trade Kaffee wird oft als bessere Alternative zu Fair Trade Kaffee beschrieben. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Was bedeutet der Begriff eigentlich, worin liegt der Unterschied zu Fair Trade und wann ist direkter Handel wirklich ein Vorteil? Alle Antworten findest du bei nuruCoffee!

Direct Trade Kaffee: Was bedeutet das eigentlich?

Direct Trade Kaffee bedeutet vereinfacht: Der Rohkaffee wird ohne Zwischenhändler direkt von den Produzent:innen in den Ursprungsländern eingekauft.

Sali und Sara Nuru unterhalten sich mit Kaffeefarmer in Äthiopien

Im konventionellen Handel liegen zwischen dem Kaffeeanbau und dem Verkauf oft viele Stationen. Der Kaffee geht von den Produzent:innen an eine Kooperative, weiter an Exporteur:innen, Importeur:innen, Großhandel, Rösterei und schließlich in den Verkauf. Die Handelsketten sind oft lang und intransparent.

An jeder dieser Stellen verdienen Konzerne mit. Dabei bleibt nur ein kleiner Teil für die Menschen in den Ursprungsländern, die trotz harter Arbeit oft unter prekären Bedingungen leben.

Direct Trade Kaffee will genau hier ansetzen: Durch den direkten Handel lässt sich genau nachvollziehen, woher der Kaffee stammt und wer daran verdient. 

Direct-Trade-Kaffee ist aber nicht automatisch fair gehandelter oder nachhaltiger Kaffee. Die Bezeichnung sagt auch nichts darüber, ob es sich um Bio Kaffee oder konventionellen Kaffee handelt.

Warum braucht es Direct Trade Kaffee?

Direct Trade Kaffee ist die Antwort kleiner Röstereien auf konventionellen Kaffeehandel und soll eine bessere Alternative zu Fair Trade Kaffee sein.

Wie der konventionelle Kaffeehandel funktioniert

Im konventionellen Kaffeehandel leisten Kaffeebäuer:innen den größten Teil der Wertschöpfung, erhalten aber nur einen minimalen Anteil des Verkaufspreises. Sie leben oft unter der Armutsgrenze. Zwischenhändler, Akteur:innen an der Börse und Handelskonzerne hingegen verdienen den Löwenanteil.

Der Handel mit Rohkaffee orientiert sich außerdem stark am Börsenpreis. Dieser berücksichtigt aber nicht die Produktions- und Lebenskosten der Menschen in den Ursprungsländern.

Fair Trade als wichtiger erster Schritt

Fair Trade ist als Antwort auf genau diese Schieflage entstanden. Mindestpreise, Prämien und soziale Standards sollten Produzent:innen besser absichern und den Handel gerechter machen. Fair Trade leistet einen wichtigen Beitrag für das Bewusstsein von fairen Löhnen.

Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass auch Fair Trade nicht alle Probleme löst. Mindestpreise schaffen mehr Sicherheit, garantieren aber nicht automatisch einen existenzsichernden Lohn in jeder Region.

Direct Trade als Lösung?

Direct Trade Kaffee entstand aus dem Wunsch, Kaffee nicht nur zu zertifizieren, sondern wirklich faire Bedingungen für die Menschen zu schaffen, die am Beginn der Wertschöpfungskette stehen.

Sali Nuru sortiert Kaffee mit einer Bäuerin auf Kaffeeplantage in Äthiopien

Die Idee dahinter ist einfach: Wenn Röstereien direkt mit Produzent:innen oder Kooperativen zusammenarbeiten, Preise direkt verhandeln und Beziehungen langfristig aufbauen, erhalten die Bäuer:innen einen fairen Lohn für ihre Arbeit.

Direct Trade oder Fair Trade?

Fair Trade und Direct Trade verfolgen auf den ersten Blick ein ähnliches Ziel: Kaffeehandel gerechter zu machen. Trotzdem unterscheiden sich beide Ansätze grundlegend.

Vorteile von Fairtrade

Fair Trade arbeitet mit einem Siegel, festen Standards und externer Kontrolle. Das hat einen großen Vorteil: Es schafft Orientierung und macht faireren Handel für viele Menschen überhaupt erst sichtbar. Genau darin liegt der historische Verdienst von Fair Trade.

Nachteile von Fairtrade

  • Aus unserer Sicht liegt aber auch die zentrale Schwäche genau dort. Fairness wird bei Fair Trade vor allem über ein standardisiertes System organisiert. Die Lebensrealität in den Produktionsländern ist aber sehr unterschiedlich.
  • Mindestpreise sind wichtig, aber nicht immer ausreichend. Sie schaffen eine Untergrenze, garantieren aber nicht in jeder Region einen wirklich existenzsichernden Lohn. Produktionskosten, Infrastruktur, Erntemengen und Lebenshaltungskosten unterscheiden sich stark. Ein einheitliches System stößt dort schnell an Grenzen.
  • Aus unserer Sicht kommt ein weiterer Punkt dazu: Die Zertifizierung kostet Geld. Gebühren für Kontrolle, Siegel und Lizenzierung fließen in das Privatunternehmen. Kleinbäuer:innen können diese Kosten oft nicht stemmen. Gleichzeitig bleiben Zwischenstufen im Handel weiterhin bestehen.

Vorteile von Direct Trade

Direct Trade setzt an diesem Punkt an. Wenn die Rösterei direkt bei Bäuer:innen oder Kooperativen einkauft, entfallen Kosten für Zwischenhandel und Zertifizierung. Dadurch entsteht mehr Spielraum, um höhere und fairere Preise direkt am Ursprung zu ermöglichen.

Sara und Sali Nuru auf Kaffeeplantage im Gespräch mit Leiter der Kooperative

Für uns ist das der entscheidende Unterschied. Direkthandel bedeutet nicht nur mehr Nähe, sondern vor allem die Möglichkeit, faire Löhne zu finanzieren, statt erst ein System und mehrere Handelsstufen mitzutragen. Genau deshalb halten wir Direct Trade für den besseren Weg. Vorausgesetzt, er wird transparent und verlässlich umgesetzt.

Ein weiterer Vorteil von Direct Trade liegt in der Qualität. Wenn wir für Rohkaffee Preise zahlen, die deutlich über dem Weltmarktpreis liegen, schaffen wir mehr Spielraum für die Weiterentwicklung nachhaltiger Anbaumethoden. Auch die exakte Nachvollziehbarkeit ist wichtig, um unsere Qualitätsansprüche zu prüfen und zu erfüllen. Direct Trade bedeutet für uns deshalb nicht nur fairere Bezahlung, sondern auch die Möglichkeit, herausragende und gleichbleibende Qualität zu garantieren.

Nachteile von Kaffee Direkthandel

Der Begriff ist nicht geschützt und kann als Marketing-Begriff verwaschen werden. Außerdem sagt Direct Trade an sich nichts über faire Löhne aus. Für Verbraucher:innen bedeutet das: Direkthandel klingt gut, du musst aber selbst recherchieren, was im Einzelfall wirklich damit gemeint ist.

Hinzu kommt, dass Direct Trade für kleine Röstereien aufwendig und risikoreich sein kann. Wer direkt einkauft, braucht belastbare Partnerschaften, muss größere Mengen abnehmen, Transport und Import organisieren und trägt mehr Verantwortung selbst. Das ist nicht für jedes Unternehmen leicht umzusetzen.

Diese Tabelle zeigt dir auf einen Blick die Unterschiede zwischen Fairtrade und Direct Trade


Fairtrade Direct Trade
Grundprinzip fairerer Handel über Standards und Siegel fairerer Handel über direkte Beziehungen
Preislogik Mindestpreis plus Prämie direkt verhandelte Preise
Beziehung zum Ursprung nicht erforderlich direkte Zusammenarbeit ist zentral
Kontrolle externe Zertifizierung keine zentrale Prüfstelle, dafür mehr Eigenverantwortung
Stärke klare Orientierung und sichtbare Mindeststandards keine Zwischenhändler, langfristige Partnerschaften, persönliche Beziehungen
Schwäche Kosten für Zertifizierung, Mindestpreise zu niedrig, Mengenausgleich

nur glaubwürdig, wenn Herkunft und Handel offen kommuniziert werden

Unser Fazit: Fair Trade war ein wichtiger Anfang. Direct Trade ist aus unserer Sicht der konsequentere Schritt, weil weniger Geld im System hängen bleibt und mehr davon direkt in faire Bezahlung am Ursprung fließen kann.

Direct Trade Kaffee richtig einordnen

Direct Trade Kaffee ist aus unserer Sicht ein sinnvoller Begriff, weil er auf ein echtes Problem im Kaffeehandel reagiert: zu viele Zwischenhändler, zu wenig Transparenz und zu wenig Erlös für die Menschen am Ursprung. Gleichzeitig ist Direct Trade keine Garantie für faire Löhne.

Kaffeefarmer in Äthiopien bei der Sortierung der Kaffeekirschen

Entscheidend ist also nicht, ob eine Rösterei Direct Trade auf die Packung schreibt. Entscheidend ist, ob sie erklären kann, mit wem sie arbeitet, wie der Kaffee eingekauft wird und was sie mit dem Direkthandel bewirken.

Worauf du bei Direct Trade Kaffee wirklich achten solltest

Wenn du Direct Trade Kaffee kaufst, lohnt sich ein genauer Blick auf ein paar einfache Punkte:

  • Wird die Herkunft konkret genannt? Nicht nur das Land, sondern möglichst auch die Kooperative oder Farm.
  • Wird die Handelsbeziehung erklärt? Eine glaubwürdige Rösterei oder Marke beschreibt, wie der Einkauf abläuft und warum sie auf Direkthandel setzt.
  • Gibt es Angaben zur Preislogik? Eine transparente Preispolitik macht nachvollziehbar, wie die Wertschöpfung verteilt wird.
  • Bleibt die Kommunikation konkret? Je weniger Schlagworte und je mehr nachvollziehbare Informationen, desto besser lässt sich Direct Trade einordnen.

Direct Trade bei nuruCoffee

Wir bei nuruCoffee beziehen unseren Kaffee direkt von bio-zertifizierten Kooperativen in Äthiopien, konkret von der Sidama Coffee Farmers Cooperative Union.

Sara Nuru auf Kaffeeplantage mit Sonnenhut, hält Kaffeebohnen in die Kamera

Wir bezahlen für unseren Rohkaffee Preise, die deutlich über dem Weltmarktpreis liegen, und arbeiten seit fast zehn Jahren mit denselben Partner:innen zusammen. Einige der Bäuer:innen vor Ort kennen wir auch persönlich.

Mit jedem verkauften Kilo Kaffee spenden wir einen Euro, mindestens aber 50 Prozent unseres Gewinns an nuruWomen e.V zur Stärkung von Frauen in Äthiopien. So verbinden wir direkten Handel mit fairer Bezahlung und sozialer Wirkung.

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