Sara und Sali Nuru umgeben von Kaffeepflanzen, begutachten die reifen Kaffeekirschen

Fairness und Transparenz

Schwankende Weltmarktpreise, geringe Verhandlungsmacht und ungleiche Strukturen treffen vor allem die Menschen, die den Kaffee anbauen und ernten. Kleinbäuer:innen leben oft unter prekären Bedingungen. Wir wollen den Kaffeehandel fairer machen und beziehen unseren Kaffee daher direkt von Kooperativen.

Kaffeebohnen ausgebreitet, Hände eines äthiopischen Kaffeebauern beim Sortieren

Konventioneller Kaffeeanbau

Die Bäuer:innen säen, pflegen, ernten und sortieren die Kaffeekirschen mit größter Sorgfalt und oft unter schwierigsten Bedingungen. Viele sind von Armut betroffen, obwohl Kaffee eines der meistgehandelten Agrarprodukte der Welt ist.

Je länger und intransparenter die Handelskette, desto schwerer lässt sich nachvollziehen, wie die Wertschöpfung verteilt wird. Zwischen Anbaugebiet und fertigem Cappuccino verdienen Zwischenhändler, Importeure, die Kaffeebörse, die verarbeitende Industrie, Großhandel und Einzelhandel mit.

Unsere Ansatz: Direkter Handel mit Kooperativen

nuruCoffee bezieht ihren Kaffee aus Bio-zertifizierten Kooperativen, aktuell von der Ferro Kooperative. Sie ist Teil der Sidama Coffee Farmers Cooperative Union.

Mehrere Bäuer:innen stellen eine Kooperative zusammen, bestehend aus Chairman, Assistent:in, Buchhalter:in und Verwaltungskomitee. Eine Kooperative repräsentiert die Bäuer:innen der jeweiligen Regionen. Ihr Ziel ist der Schutz der Rechte aller beteiligten Personen entlang einer Produktionskette.

Der Zusammenschluss mehrerer Kooperativen nennt sich Genossenschaft (Union). Die Union ist Ansprechpartner:in und Vermittler:in zwischen den Abnehmer:innen (Einkäufer:innen) und Kooperativen.

Die Mitgliedschaft in einer Kooperative sichert den Bäuer:innen ein besseres Einkommen und kann langfristig ihre Lebensgrundlage verbessern. Ein weiterer Vorteil von Kooperativen und Genossenschaften ist die Vermarktungsmacht, die durch die Bündelung ihrer Produkte entsteht.

Direkter Handel ist für uns nicht nur eine Frage des Einkaufspreises, sondern auch eine Frage der Verlässlichkeit. Deshalb arbeiten wir seit rund zehn Jahren mit unseren Partner:innen zusammen. Langjährige Partnerschaften schaffen auf beiden Seiten Vertrauen, Planbarkeit und Kontinuität. Wir besuchen regelmäßig die Bäuer:innen in Äthiopien, um uns ein Bild der Arbeitsbedingungen zu machen. Der Austausch mit den Kooperativen hilft uns, die Herausforderungen vor Ort besser zu verstehen. Hier findest du Eindrücke von unseren Besuchen:

Sali und Sara Nuru mit zwei äthiopischen Kaffeebäuerinnen

Begleite uns nach Äthiopien

Kaffeebäuerin auf Kaffeeplantage zeigt Sara und Sali Nuru die Kaffeebohnen

Fair gehandelt, aber nicht FairTrade?

Wir haben uns bewusst gegen Fair Trade entschieden, obwohl die Union und die Ferro Kooperative, von der wir unseren Kaffee beziehen, FLO/Fairtrade-zertifiziert sind.

Der Grund: Würden wir den Kaffee über das Fairtrade-System kaufen, müssten wir eine laufende Gebühr an Fairtrade zahlen (aktuell 0,22 € pro Kilo Rohkaffee), damit wir das Siegel nutzen dürfen – Geld, das nicht bei der Kooperative ankommt, sondern für Zertifizierung und Siegel-Nutzung an eine dritte Organisation geht.

Stattdessen zahlen wir direkt einen höheren Preis (aktuell 4,83 $/lb, das entspricht 101 % mehr als der Fairtrade-Mindestpreis) an die Kooperative. So bleibt am Ende mehr für die Bäuer:innen und für unsere Frauenprojekte.

Mehr über Fair Trade Kaffee
Sara Nuru mit Notizbuch und Sali Nuru im Gespräch mit einem Kaffeebauern auf der Plantage

Wie werden unsere Standards geprüft?

Wir haben keine eigene, unabhängige Sozialaudit-Struktur, was die Arbeitsbedingungen vor Ort betrifft. Unsere Bio-Zertifizierung wird sowohl vor Ort als auch hier regelmäßig kontrolliert. Diese bezieht sich auf die Anbaumethoden, nicht gezielt auf Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit.

Da Ferro zusätzlich FLO-zertifiziert ist, sind wir froh, dass unsere Partnerkooperative in diesem Bereich einem externen Standard unterliegt, auch wenn wir selbst nicht über das Fairtrade-System kaufen. Wir sprechen das Thema aber bei jeder unserer Reisen aktiv mit der Union an. Die SCFCU hat uns dabei berichtet, dass sie regelmäßig im engen Austausch mit den Bäuer:innen steht und klar kommuniziert, dass zum Beispiel Kinderarbeit nicht toleriert wird. Das ist eine Beobachtung aus unseren eigenen Gesprächen vor Ort, keine unabhängige Zahl. Gemeinsam mit der Union wollen wir hier aber perspektivisch zu einer besseren, eigenständigen Prüfmöglichkeit kommen.

nuruCoffee Kaffeeverpackung hinter einer Tasse Kaffee zubereitet mit Latte Art, sanft einfallende Sonnenstrahlen

Wie kommt der Preis unseres Kaffees zustande?

Wir zahlen aktuell 4,83 $/lb an die Ferro-Kooperative für unseren Rohkaffee (zum Vergleich: Der Fairtrade-Mindestpreis für vergleichbaren Bio-Arabica liegt bei 2,40 $/lb).

Bis du deinen nuruCoffee genießen kannst, fallen noch weitere Kosten an: die Verschiffung nach Deutschland, Transport und Einlagerung, Röstung, Verpackung und die gesetzliche Kaffeesteuer. Hinzu kommen die üblichen Kosten eines kleinen Unternehmens: Miete, Personal, Steuerberatung, Versicherung, Software, Zahlungsabwicklung, Marketing und unsere Reisen zur Kooperative vor Ort.

Hand von Sara Nuru mit Kaffeebohnen

Wie nachhaltig kann Kaffee sein?

Für uns bedeutet Fairness auch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen. Deshalb beziehen wir unsere Bohnen ausschließlich von Bio-zertifizierten Kooperativen.

Mehr erfahren
Mehrere äthiopische Frauen stehen nebeneinander, strahlende Gesichter

Wir denken Fairness ganzheitlich

Für uns geht Verantwortung über den Kaffeehandel hinaus. 50 % des Gewinns von nuruCoffee, mindestens aber 1 Euro pro verkauftem Kilo Kaffee, fließen in Projekte von nuruWomen e.V. zur Stärkung von Frauen in Äthiopien.

Du ermöglichst mir jeder Bestellung wichtige Maßnahmen zur finanziellen Selbstbestimmung von Frauen und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen. Außerdem unterstützt du unser neues Projekt in Tigray gegen sexualisierte Gewalt an Frauen.

Damit übernehmen wir auch Verantwortung für Menschen, die nicht direkt am Kaffeehandel beteiligt sind